Trainer Interview: Clint Jones

Erstellt am: 06.11.2012 08:26 / sk

Clint Jones hat seine Trainierkarriere vor fünf Jahren in Park City begonnen und betreut nun zusammen mit Casey Colby das Nationalteam von USA Ski Jumping, einer vom US Skiverband (USSA) unabhängigen Organisation, die 2010 gegründet wurde um das Skispringen der Herren in den USA zu fördern und weiterzuentwickeln.

 

Der 28-jährige, der als zweiter in der Gesamtwertung des Sommer Grand Prix 2002 einen Achtungserfolg erzielen konnte, will seinen Teil dazu beitragen, dass die amerikanischen Springer in der Zukunft auf dem höchsten Niveau konkurrenzfähig sind. Und das junge Team, Nick Alexander ist mit 24 der Älteste, konnte bereits einige gute Ergebnisse feiern.

 

Nick Fairall, Anders Johnson und Peter Frenette erreichten in Vergangenheit bereits Weltcuppunkte und der 20-jährige Peter Frenette war im FIS Grand Prix 2012 zweimal in den Top 15. Mit Peter Frenette und Anders Johnson gibt es auch zum ersten Mal seit sechs Jahren ein voll finanziertes A-Team in den USA. Es scheint, dass Team ist auf dem richtigen Weg.

 

Berkutschi: Anders und Peter hatten einen ziemlich starken Sommer. Lass uns doch noch einmal darauf zurückblicken.


Clint Jones: Die Wettkampfsaison hat für uns in Stams begonnen, wo Beide schon gute Leistungen gezeigt haben. Ich glaube Peter war einem Tag 10., Anders am anderen Tag 18. Das war bereits eine Verbesserung gegenüber den meisten Wettkämpfen im letzten Winter. Peter hatte dann ein weiteres starkes Ergebnis im COC in Kranj, ich glaube er war Neunter. Nach dieser Reise hatten wir tolle nationale Meisterschaften in Park City, wo sich Peter und Anders den Sieg von der Großschanze geteilt haben. Im Anschluss daran haben wir den restlichen Sommer über an einigen Grand Prix Wettkämpfen teilgenommen. Unser Team wurde im ersten Mixed-Teamwettkampf in Courchevel Fünfter, Peter hatte zwei Top 15 Ergebnisse und Anders war zweimal unter den besten 30. Alles in allem war es der beste Sommer für unsere Jungs seit vielen Jahren.

 

Berkutschi: Wie nahe sind deine Athleten einem grossen Durchbruch?


Jones: Technisch sind Anders und Peter ziemlich gut gesprungen, sie müssen konstanter werden als in der Vergangenheit. Ich glaube der Schritt auf das nächste Level kommt mit dem Selbstvertrauen. Von den oberen Rängen im Continental Cup bis hin zu den besten Athleten im Weltcup ist der Unterschied zwischen den einzelnen Springern sehr eng. Etwas Glück und ein paar gute Ergebnisse zu Beginn des Winters könnten reichen, damit unsere Athleten entspannter werden und beginnen sich wohler zu fühlen wenn sie sich auf den höchsten Levels mit der Konkurrenz messen.

 

Berkutschi: Wie haben die letzten paar Wochen in der Vorbereitung für den Weltcupauftakt bei euch ausgesehen?


Jones: Nach dem Flaming Leaves Wettkämpfen in Lake Placid hatten wir die nötige Pause. Wir springen hier in Park City immer noch auf Matten während wir auf kältere Temperaturen warten. Gleichzeitig waren wir fast jeden Tag im Kraftraum und ich habe ziemlich viel Zeit dafür verwendet die Anzüge für unsere drei US Teams zu machen.

 

Berkutschi: An welchen Wettkämpfen im Weltcup plant ihr teilzunehmen?


Jones: Da Anders und Peter einen ziemlich starken Sommer hatten und die Qualifikationsperiode für Olympia 2014 bereits begonnen hat, werden wir im Winter meistens im Weltcup springen. Im Moment planen wir eine Pause für Mitte Januar. Natürlich kann sich dieser Plan noch ändern, das kommt darauf an wie die Jungs springen und es hängt auch von der Moral im Team ab. Es ist eine lange Wintersaison. Ich bin sicher, wenn sie gut springen werden sie keine Probleme damit haben so lange Zeit unterwegs zu sein.

 

Berkutschi: Wie schwierig ist es andauernd zu reisen?


Jones: Wie ich schon erwähnt habe, hängt es davon ab wie gut die Athleten springen. Anders, Peter und ich kommen meistens gut miteinander aus. Natürlich gibt es von Zeit zu Zeit Probleme weil wir zehn Monate im Jahr zusammen verbringen, aber ich glaube wir gehen gut damit um. Mackenzie Boyd-Clowes wird auch die meiste Zeit des Winters mit uns unterwegs sein. Er passt gut in the Gruppe und wir freuen uns alle ihn dabei zu haben. Ich versuche auch so viel Abwechslung einzubauen wie ich kann, damit sich die Athleten nicht die ganze Zeit nur auf das Skispringen konzentrieren.

 

Berkutschi: Wie würdest du Erfolg in dieser Saison definieren?


Jones: Ich will wirklich, dass Peter, Anders und auch Mackenzie bei grossen Wettkämpfen konstanter werden. Um ein erfolgreicher Athlet zu sein, musst du in der Lage sein deine beste Leistung zu zeigen wenn es darauf ankommt. Das habe ich auch schon mal von unseren Jungs gesehen, aber ich glaube auch, dass ich einige ihrer besten Sprünge im Training gesehen habe. In diesem Winter wäre ich zufrieden wenn sie es schaffen ihre besten Sprünge konstant in den Wettkämpfen zu zeigen.

 

Berkutschi: Bist du noch immer viel mit den Änderungen bei den Änzügen beschäftigt?


Jones: Ja. Wir haben kürzlich unsern Betrieb vom Leistungszentrum in den Kampfrichterturm hier in Park City verlegt, hauptächlich der Einfachheit halber. Bis jetzt habe ich in den letzten paar Wochen ungefähr 15 Anzüge gemacht und muss noch weitere 15 machen. Das Ziel ist es sicherzustellen, dass unser Team, die Damen und die nordischen Kombinierer gut vorbereitet und mit dem geeigneten Equipment bei den ersten Wettkämpfen in Lillehammer an den Start gehen können.

 

Berkutschi: Was denkst Du über die neuen Anzüge?


Jones: Ich glaube die Regeln haben in vielen Punkten die Chancengleichheit verbessert. Bei einigen Athleten hat es länger gedauert als bei anderen bis sie sich an das neue Gefühl gewöhnt haben, aber am Ende des Sommers war es offensichtlich dass die Weltcupstarter noch immer auf einem sehr hohen Niveau springen. Es wird interessant zu sehen sein, wie es beim Skifliegen funktioniert. Aber ich bin sicher, es wird auch dort keine grösseren Probleme geben.

 

Berkutschi: Was machst du um dich von dem Stress zu erhohlen während ihr unterwegs seid?


Jones: Es macht mir Spass in Europa durch die Gegend zu wandern und Photos zu machen. Ich habe seit kurzem eine neue Kamera und ich bin sicher, dass ich im Winter viel Verwendung dafür haben werde. Ich werde auch meine Skiausrüstung mitnehmen. Im letzten Jahr habe ich mir in der Mitte des Winters den Knöchel gebrochen und viel verpasst was das Skifahren angeht. Jetzt habe ich fest vor, dass mir das nicht wieder passiert.

 

Berkutschi: Wer ist dein Favorit auf den Gesamtweltcupsieg?


Jones: Das ist immer eine schwierige Frage. Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, gibt es während des Winters immer einige Überraschungen. Und wir haben in diesem Sommer nicht viel von der österreichischen Mannschaft gesehen. Aber wenn ich jetzt einen Favoriten nennen müsste, glaube ich, dass Severin Freund in diesem Jahr sehr stark sein wird. Ich mag seine Art zu springen und am Ende des Sommers hat er gezeigt, dass er in einer tollen Form ist. Es ist schon etwas her, dass ein Deutscher den Gesamtweltcup gewonnen hat und es ist schön zu sehen, dass das deutsche Team im Moment wieder ein paar Athleten mit diesem Potential hat.

 

Berkutschi: Werden die Österreicher diesen Winter wieder so dominieren, wie sie es in den letzten acht Jahren gemacht haben?


Jones: Es ist nie eine gute Idee die Österreicher zu unterschätzen. Die Tiefe in ihrem Team garantiert fast, dass mindestens einer von ihnen eine starke Saison haben wird. Wie ich schon gesagt habe, hat man sie während des Sommer nicht oft gesehen. Deshalb ist es schwierig zu sagen was sie gemacht haben und ob sie irgendwelche Probleme mit dem Equipment hatten. Meiner Meinung nach werden die Österreicher am Ende der Saison auf jeden Fall wieder um den Sieg im Nationencup kämpfen.

 

 

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