Pekka Niemelä übernimmt Kommando in der Türkei

Erstellt am: 16.07.2014 19:35 / sk

Vom hohen Norden Finnlands hat der Skisprungsport den Finnen Pekka Niemelä weit in den Süden geführt. Niemelä, bis zum vergangenen Winter Chefcoach der Finnischen Nationalmannschaft der Skispringer, hat mit der Vertragsunterzeichnung am 16. Juli seinen neue Position als Cheftrainer im türkischen Skiverband angetreten.


“Genau genommen bin ich Cheftrainer, aber zu meinem neuen Job gehört auch eine beratende Funktion in Sachen Projektentwicklung Skisprung, Aufbau des Trainings- und Lehrsystems und das Herstellen interationaler Kontakte”, so Niemelä unmittelbar nach Amtsantritt.

 

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Hintergrund - Skispringen in der Türkei

Türkische Athleten sind beim Skispringen bisher international nicht in Erscheinung getreten. Die Türkei hat aber mit dem Bau eines großen Wintersportzentrums in Erzurum die Weichen für eine Zukunft in Sachen Wintersport gestellt. Erzurum, liegt ca. 800 KM östlich von Ankara auf 1950 Metern Meereshöhe und ist mit ca. 360.000 Einwohnern die größte Stadt Ostanatoliens. 2010 wurde in Erzurum ein hochmodernes Schanzenzentrum mit Schanzen der Größen K20, K40, K65, K95, K125 errichtet. Auf der Anlage wurden bereits COC Springen, die Skispringen der FIS Junioren-WM 2012 und der Universiade 2011 durchgeführt.

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"Man hat hier in Erzurum Millionen Euro in Wintersportanlagen investiert und die Investitionen gehen noch weiter. Ich sehe hier eine Menge Potenzial für die Zukunft. Die Türkei ist G20 Mitglied, ein Land mit 80 Millionen Einwohnern und wichtiges Tor zwischen Europa und Asien” erklärt der in Helsinki geborene Niemelä.

 

"Leider steht das Skisprungstadion in Erzurum jetzt vor großen Herausforderungen. Experten für Baumaßnahmen, Verantwortliche des Verbandes usw. werden sich in den kommenden Tagen in Erzurum treffen. Sobald eine Lösung gefunden wurde, wird man die Presse darüber informieren. Gemeinsam mit dem Präsidenten haben wir entschieden nicht mit dem Training aufzuhören, sondern es nach Finnland und andere Teile Europas zu verlegen. Das Projekt vor Ort wird weitergehen, sobald die Schanzen wieder in Ordnung sind", so der Finne zu der momentanen Situation.*

 

* An der Anlage von Erzurum waren in der Nacht zum 15. Juli erhebliche Schäden, vermutlich durch einen Erdrutsch entstanden. Noch liegen keine offiziellen Statements vor, wir werden berichten. (Bild der Anlage nach dem Erdrutsch)

 

"Entwicklungs-Projekt" 

“Es ist eine Ehre für mich an diesem Entwicklungs-Projekt, an dem auch der türkische Staat, der türkische Skiverband und die FIS beteiligt sind, mitzuarbeiten. Wir müssen das ganze Projekt Schritt für Schritt angehen: Als Priorität 1 sehe ich momentan die physischen und technischen Möglichkeiten des A-Teams zu verbessern. Gleichzeitig müssen wir intensiv mit den Junioren arbeiten. Tägliches kontinuierliches Training ist notwendig. Meine Aufgabe wird neben der direkten Betreuung des A-Teams auch darin bestehen, Trainingspläne für den Nachwuchs zu erstellen. Wir hatten bereits einige Trainingseinheiten mit den Junioren, geleitet von lokalen Coaches. Das hat unglaublichen Spaß gemacht mit den Nachwuchsleuten zu trainieren".

 

"Eines Tages Erfolge feiern ist unser Traum"

Erst wenn wir erfolgreiche Trainings hinter uns haben und das Niveau passt, werden wir mit den Atleten an COC Springen teilnehmen um auch dort Erfahrungen zu sammeln. Ich denke, dass wir innerhalb der nächsten zwei Jahre eine realistische Chance haben Türkische Springer im Weltcup an den Start zu bringen. Das Ziel ist es dann auch die Startberechtigung für Weltmeisterschaften zu bekommen und natürlich das Niveau für Olympische Spiele zu erreichen. Das sind zwei große Schritte. Eines Tages Erfolge zu feiern ist der Traum für den wir jetzt beginnen zu arbeiten.

 

Wichtiger Teil des ganzen Projekts wird es sein, viele junge Leute für das Skispringen zu begeistern, daran arbeiten wir intensiv. Nur 50 Meter vom Skisprung Stadion entfernt ist eine Grundschule und wir haben die Hoffnung daraus eine richtige Skisprung-Schule zu machen. Unterstützung bekommen wir von vielen Seiten, unter anderem auch von der Universität Erzurum. Das ganze ist eigentlich noch eine Vision, wir müssen sehr hart und gut trainieren. Ich glaube daran, dass wir Erfolg haben werden. Vergangene Woche hat beispielsweise ein 14jähriger Nachwuchsspringer mit vielversprechender Technik auf der K95 Schanze seinen persönlichen Rekord auf 100 Meter verbessert, das sind kleine Dinge aber für mich eben auch Zeichen. Der Name des Athleten war übrigens Muhammat Ali.

 

Einige der Athleten haben ja bereits FIS CUP Punkte, der nächste Schritt muss jetzt sein das Niveau zu erreichen um im COC Punkte machen zu können um dann auch im Weltcup und bei der Vierschanzentournee starten zu können. Wenn wir das erreichen wird es uns den nötigen Schub für die weitere Zukunft geben.

 

"Das ist wahrlich eine große Herausforderung"

Für mich ist das natürlich eine große Umstellung nach den Jahren als Trainer in Finnland, Japan und Frankreich. Ich habe in dieser Zeit als Trainer 9 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen. Aber ich finde dieses Entwicklungsprojekt hier ausgesprochen reizvoll. Irgendwie passt das ideal zu mir und ich empfinde es als große Ehre in einem Land mit so ehrgeizigen Zielen zu arbeiten. Ich mag Herausforderungen und dieses Projekt hier ist wahrlich eine große Herausforderung” erklärt Niemäle abschließend.

 

Weiterführende Links

2012 JWM beginnt in Erzurum

2010 JWM in der Türkei 

Schanzenbau in Erzurum

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