Robert Johansson: Olympiasieger nach schwierigen Zeiten

Erstellt am: 01.11.2018 17:40 / sk

Dieser Mann ist eine Marke. Seit dem vergangenen Winter einer der besten Skispringer der Welt, durch seine immer freundliche Art und seinen coolen Look eine Ikone. Die Rede ist von "The Moustache", der Schnurrbart - Robert Johansson aus Norwegen.


Robert Johansson ist angekommen, angekommen in der elitären Gruppe der besten Skispringer der Welt.
Platz 5 im Gesamtweltcup im vergangenen Winter, drei Olympiamedaillen in Korea, der erste Weltcupsieg dann zum Ende der Saison ausgerechnet auf dem Monsterbakken von Vikersund. Wer Vikersund gewinnt ist nicht nur ein Sieger, wer Vikersund gewinnt ist ein Champion.

Habe gemerkt, dass ich etwas zäher war als die anderen
Johansson kommt aus Lillehammer. 1994 gewannen Jens Weißflog, Espen Bredesen und das deutsche Team mit Hansjörg Jäkle, Christof Duffner, Dieter Thoma und Jens Weißflog quasi vor seiner Haustüre Olympische Goldmedaillen. Drei Jahre war Robert Johansson damals alt.
Bei den Johanssons hatte das Skispringen aber bereits lange vor den Olympischen Spielen von 1994 Tradition.
"Mein Vater und mein Großvater sind auch gesprungen. Ich habe im Alter von 5 Jahren am Pinnikbakken in Lillehammer angefangen zu springen. Mit 12 habe ich dann gemerkt, dass ich etwas zäher war als die anderen. Das Skispringen hat mich von Anfang an fasziniert, es war immer das, wobei ich am meisten Spaß hatte. Und heute? Heute ist es ein Traum, dass ich das machen kann was mir am besten gefällt", sagt der immer freundliche Robert Johansson zu Berkutschi.com.

 

Harte Zeiten - "Ich war am Boden und leer"
Der heute 28-jährige, der erst im vergangenen Winter so richtig in der Weltspitze in Erscheinung getreten ist, hat einen langen und steinigen Weg hinter sich. So steinig, dass Johansson die Sprungskier vor einigen Jahren beinahe an den Nagel gehängt hätte. Immer wieder musste Johansson Rückschläge wegstecken. Bereits 2012 war der heute 28-jährige dran an der Spitze, dann zog er sich eine schwerwiegende Knöchelverletzung zu und verlor sein Gefühl im Fuß, dazu zwei Erkrankungen, der Winter war gelaufen, die Form dahin und die Motivation auch.
"Das war ein Horror-Winter, es war wirklich hart. Es ist schwer ein Sportler zu sein und das Gefühl zu haben nicht das erreichen zu können was man unbedingt erreichen möchte. Das ist ein ganz übles Gefühl, wenn man darüber nachdenkt seinen großen Traum aufzugeben. Ich habe lange überlegt und ich war kurz davor aufzugeben. Ich war in dieser Phase wirklich am Boden, absolut leer.
Das war dann aber auch der Wendepunkt. Ich habe gemerkt, dass ich Dinge verändern muss und ich habe alles verändert - radikal. Die Ernährung, den Schlaf, das Training, das Denken, mein ganzens Leben."

 

Durchbruch bei Olympia
Der vergangene Winter bedeutete dann den Durchbruch für Johansson. Zwei Bronzemedaillen in den Einzelwettkämpfen und Gold mit dem Team bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. "Das war eindeutig das Highlight meiner Karriere bisher.  
In Pyeongchang lief es von Anfang an richtig gut für Johansson.  "Als ich in Pyeongchang ankam, wusste ich, dass ich in Topform bin. Ich bin mit großer Selbstsicherheit zu den Olympischen Spielen gefahren und hatte das Gefühl, dass die Voraussetzungen stimmen um dort erfolgreich zu sein. Ich war absolut ruhig und konnte mich auf das konzentrieren worauf es ankommt: Skispringen. Und so konnte ich meine ersten Olympischen Spiele wirklich genießen. Dass ich am Ende mit drei Medaillen nach Hause fliegen konnte ist unglaublich, das erste Mal dabei und dann so ein Ergebnis. Das ist ein Kindheitstraum der wahr wird und man ist unglaublich stolz auf sich selber". 


Mit den Medaillen kam das Selbstvertrauen
"Ich schaue mir die Medaillen nicht oft an, wenn ich alleine zuhause bin, aber viele Freunde und Bekannte möchten die Medaillen sehen und dann ist es cool sie zu zeigen. Der Erfolg bei Olympia ist eine große Motivation für mich noch besser zu werden und noch mehr zu erreichen. Ich habe jetzt ein ganz anderes Selbstvertrauen bei der täglichen Arbeit", sagt Johansson.


Hohe Ziele für die Zukunft
Jetzt geht es darum in der WM-Saison gute Ergebnisse zu erzielen. "Mein Ziel ist es bei den Weltmeisterschaften in Seefeld ganz vorne dabei zu sein und ich hoffe dort um Medaillen kämpfen zu können. Es ist ein großes Ziel eine Einzelmedaille bei der WM zu gewinnen. Auch im Mixed-Team und im Teamwettkampf will ich gute Leistungen zeigen", sagt der 28-jährige.

"Ich habe mir aber für die gesamte Saison hohe Ziele gesetzt. Es gibt nicht nur die Highlights wie die Vierschanzentournee oder die RAW AIR, sondern auch den Gesamtweltcup. Es ist ein Traum die große Kristallkugel zu gewinnen. Ich werde alles geben um das möglich zu machen."

 

Der Bart ist ein wichtiger Teil von mir

Und auch im Privatleben hat sich einiges geändert für den Mann mit dem Schanuzbart: "Das alltägliche Leben ist das gleiche, mit Training, Ruhe und Schlafen, aber es kennen mich jetzt mehr Menschen. Das Interesse an mir ist viel größer. Der Bart macht es den Leuten einfach mich zu erkennen. Ich werde in Geschäften angesprochen und ich finde es gut, dass die Menschen mich auch ohne Helm und Brille erkennen. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen. Es ist nett wenn jemand mit mir sprechen will und mich fragt ob ich für die neue Saison bereit bin."

Der Bart wird auch nicht so schnell verschwinden. "Es ist ein großer und wichtiger Teil von mir geworden. Ich habe ihn seit über zwei Jahren und ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern wie ich ohne ihn ausgesehen habe", scherzt Johansson. (Anm. der Redaktion: hier können wir helfen. Das Bild links ist aus dem Jahr 2012:-)) 

 

Starkes Wikinger-Team

In weniger als zwei Wochen beginnt die neue Saison. Zuerst finden am 10. und 11. November die norwegischen Meisterschaften in Oslo statt, dann wartet der Saisonauftakt in Wisla. "Ich freue mich sehr, Teil der norwegischen Nationalmannschaft zu sein. Wir sind eine sehr starke Einheit. Wir freuen uns über den Erfolg des Anderen. Das macht uns stark", sagt Johansson abschließend.

Neueste Nachrichten