Tomofumi Naito gewinnt nach einem Durchgang am Sonntag in Oslo
Der Japaner Tomofumi Naito hat am Sonntag überraschend den Skisprung-Weltcup am Holmenkollen von Oslo gewonnen.
Der Skiflug-Teamweltmeister von Oberstdorf setzte sich bei windigen Bedingungen nach nur einem Durchgang vor dem Slowenen Anze Lanisek und dem Finnen Antti Aalto durch.
Weltcup Skispringen Männer in Oslo: Naito gewinnt am Holmenkollen nach nur einem Durchgang
Tomofumi Naito hat am Sonntag, 15. März 2026, das Weltcup-Skispringen der Männer in Oslo gewonnen und damit für eine der großen Überraschungen dieses Holmenkollen-Wochenendes gesorgt.
Der Japaner setzte sich auf der HS 134 unter windigen Bedingungen nach nur einem gewerteten Durchgang mit 128,7 Punkten durch. Platz zwei ging an den Slowenen Anze Lanišek mit 128,6 Punkten, Dritter wurde der Finne Antti Aalto mit 127,6 Punkten. Schon die Zahlen zeigen, wie eng dieser Wettbewerb am Ende entschieden wurde.
Der Wettkampf entwickelte nie einen wirklich ruhigen Rhythmus. Böige Bedingungen erschwerten den Athleten die Anfahrt, die Flugphase und vor allem die Landung, sodass am Ende nur ein Durchgang in die Wertung kam. Naito nutzte diese Chance eiskalt. Mit 131,5 Metern gelang ihm genau jener Sprung, der in einem unruhigen Wettbewerb den Unterschied machte: nicht spektakulär überhöht, aber stabil, sauber und im richtigen Moment gesetzt.
Bemerkenswert war, dass nicht einmal die größte Weite des Tages für das Podium reichte. Der Norweger Kristoffer Eriksen Sundal flog mit 134,0 Metern am weitesten, musste sich aber am Ende mit Rang sieben begnügen. Das unterstreicht, wie speziell dieser eine Durchgang zu lesen ist: Timing, Aufwind, Fluglage und Haltungsnoten lagen extrem dicht beieinander. Hinter dem Podium landeten Naoki Nakamura auf Platz vier und Niko Kytösaho auf Rang fünf. Stephan Embacher wurde Sechster und bestätigte damit erneut sein starkes Niveau in dieser Saison.
Auch die Favoritenliste wurde in Oslo kräftig durcheinandergewirbelt. Gesamtweltcup-Spitzenreiter Domen Prevc kam nicht über Rang neun hinaus, Ryoyu Kobayashi musste sich mit Platz 32 begnügen.
Daniel Tschofenig wurde nur 37., Gregor Deschwanden nach seinem Sieg am Samstag diesmal 38.
Auch Stefan Kraft spielte mit Rang 19 keine Rolle im Kampf ums Podest, Maximilian Ortner belegte Platz 20. Gerade deshalb wirkt Naitos Erfolg so groß: Er gewann nicht in einem schwach besetzten Feld, sondern in einem Wettbewerb, in dem zahlreiche etablierte Namen hinter ihm blieben.
Aus deutscher Sicht war Oslo am Sonntag ein Wettkampf mit Licht und viel Schatten. Karl Geiger wurde mit 127,5 Metern Elfter und war damit bester DSV-Springer. Andreas Wellinger folgte direkt dahinter auf Platz zwölf. Ben Bayer sammelte als 25. immerhin Weltcuppunkte. Deutlich enttäuschender lief es für Pius Paschke auf Rang 33 und Felix Hoffmann, der nur 48. wurde.
Philipp Raimund tauchte im Klassement gar nicht erst auf, weil er als nicht gestartet geführt wurde. Philipp Raimund verzichtete auf seinen Sprung: "Das war eine kurzfristige Entscheidung von mir, ich habe mir das von oben angeschaut und dann entschieden bei diesen Bedingungen nicht zu starten" gab der Bayer später zu Protokoll.
"Die Entscheidung von Philipp Raimund geht absolut in Ordnung. Es wird niemand gezwungen zu springen und wenn sich ein Athlet nicht sicher fühlt, dann akzeptieren wir so eine Entscheidung," kommentierte FIS Renndirektor Sandro Pertile den Verzicht von Raimund.
Für Naito ist der Erfolg sportlich wie symbolisch ein Durchbruch. Naito kam als Skiflug-Teamweltmeister von Oberstdorf nach Oslo und feierte nun seinen ersten Weltcupsieg im Einzel.
"Ich bin überglücklich über diesen Sieg. Es ist nur schade, dass wir nur einen Sprung machen konnten, ich hätte sehr gerne noch einen zweiten Durchgang gemacht, aber der Wind wurde dann wirklich sehr stark," so Naito nach seinem Premierensieg.
Am Holmenkollen, einer der traditionsreichsten Schanzen des Kalenders, bekommt dieser Premierenerfolg zusätzliches Gewicht. Es war kein Sieg mit großem Vorsprung und kein Triumph in einem makellosen Wettbewerb – aber gerade deshalb wirkt er so wertvoll: Naito war in dem Moment da, in dem andere strauchelten oder ihre Chance nicht nutzen konnten.
Im Gesamtweltcup änderte sich an der Spitze trotz des ungewöhnlichen Wettkampfs wenig. Domen Prevc bleibt mit 1923 Punkten klar vorn, vor Ryoyu Kobayashi mit 1173 und Daniel Tschofenig mit 1049 Punkten.
Oslo war damit weniger ein Tag für die große Wende in der Gesamtwertung als vielmehr ein Tag für eine besondere Einzelgeschichte. Tomofumi Naito hat sie geschrieben – mit einem Sprung, der in einem schwierigen Wettbewerb genau zur richtigen Zeit kam und ihm am 15. März 2026 den größten Erfolg seiner Karriere bescherte.
Zweites Podium für Finnland innerhalb von einer Woche - nach 12 Jahren
"Der dritte Platz am vergangenen Wochenende beim Super-Team in Lahti und das Ergebnis von heute sind zwei großartige und sehr wichtige Meilensteine für uns. Jetzt geht es nach Vikersund und da peile ich den finnischen Skiflugrekord an, der wird momentan von Janne Happonen gehalten und liegt bei 240 Meter. Da braucht man natürlich gute Bedingungen aber die Form stimmt ja momentan", erklärte Antti Aalto dem der zweite Podiumplatz für Finnland innerhalb einer Woche gelang, nachdem die finnischen Männer davor 12 Jahre auf ein Podium gewartet hatten.
Endergebnis Skispringen FIS Weltcup Männer in Oslo am Sonntag 15. März 2026.
