Schweizer Deschwanden feiert Premierensieg in Oslo
Der Schweizer Gregor Deschwanden hat beim Skisprung-Weltcup in Oslo für die große Überraschung gesorgt. Der 35-jährige aus Horw setzte sich am Holmenkollen von Oslo vor dem Österreicher Maximilian Ortner und dem Japaner Naoki Nakamura durch.
Geduld, Nerven und ein historischer Sieg: Deschwanden gewinnt im Wind-Roulette am Kollen
Oslo – Am Holmenkollen gehört der Wind traditionell zum Wettkampf. Doch was die Skispringer am Samstag beim Weltcup der Männer erlebten, war selbst für die traditionsreiche Großschanze hoch über Oslo eine besondere Herausforderung. Böiger Wind, aufziehender Nebel und wechselnde Anlaufbedingungen machten das Springen zu einem Geduldsspiel. Am Ende setzte sich der Schweizer Gregor Deschwanden durch und feierte mit 35 Jahren seinen ersten Weltcupsieg – vor Maximilian Ortner (Österreich) und Naoki Nakamura (Japan).
Während Deschwanden jubelte, mussten einige Favoriten eine unerwartete Niederlage hinnehmen. Besonders bitter verlief der Tag für Olympiasieger Philipp Raimund, der den zweiten Durchgang deutlich verpasste.
Ein Wettbewerb unter schwierigen Bedingungen
Schon vor Beginn war klar, dass der Holmenkollen kein leichtes Terrain bieten würde. Der Himmel über Oslo zog sich immer wieder zu, der Wind drehte und zwang die Jury zu Anpassungen bei Anlauf und Gate.
Viele Springer hatten Probleme, die Flugphase sauber zu kontrollieren. Einige verloren in der Luft deutlich an Höhe, andere mussten ihre Sprünge früh abbrechen. Das Resultat war ein Wettbewerb, in dem selbst kleinste Fehler sofort bestraft wurden.
Der Schweizer Gregor Deschwanden kam mit diesen Bedingungen am besten zurecht. Der Routinier zeigte zwei stabile Sprünge und nutzte eine Phase etwas ruhigerer Windverhältnisse geschickt aus. Für den erfahrenen Athleten war es ein emotionaler Moment.
„So ein Sieg hier am Holmenkollen bedeutet mir unglaublich viel. Man muss bei diesen Bedingungen einfach ruhig bleiben und auf seinen Moment warten.“
Für Deschwanden war es ein später, aber umso besonderer Durchbruch im Weltcup.
Ortner und Nakamura auf dem Podest
Hinter dem Sieger lieferte sich der junge Österreicher Maximilian Ortner ein starkes Duell um den Sieg. Mit einem sehr guten zweiten Sprung schob er sich noch auf Rang zwei.
„Der Kollen ist immer speziell. Heute ging es vor allem darum, den Absprung perfekt zu treffen“, erklärte Ortner nach dem Wettkampf.
Platz drei ging an Naoki Nakamura aus Japan, der mit zwei konstanten Sprüngen das Podium komplettierte.
„Ein Podium in Oslo ist etwas Besonderes. Die Atmosphäre hier ist einzigartig“, sagte Nakamura.
Überraschungen und Enttäuschungen
Während einige Außenseiter von den Bedingungen profitieren konnten, traf es mehrere Topfavoriten hart.
Der deutsche Olympiasieger Philipp Raimund erwischte keinen guten Sprung und landete nur auf Rang 36 – zu wenig für den Finaldurchgang.
„Oslo ist keine einfache Schanze. Ich habe voll daneben getreten“, sagte Raimund anschließend selbstkritisch.
Auch der dominierende Gesamtweltcup-Leader Domen Prevc schied überraschend früh aus und belegte nur Platz 42.
Bei den Deutschen blieb Andreas Wellinger als 17. der beste Springer seines Teams, während Karl Geiger (19.) und Pius Paschke (29.) ebenfalls hinter den Erwartungen blieben.
Der Holmenkollen – Mythos des Skispringens
Der Holmenkollen ist eine der traditionsreichsten Wettkampfstätten im Wintersport. Seit über einem Jahrhundert werden hier internationale Wettbewerbe ausgetragen; der Weltcup gastiert hier nahezu jedes Jahr.
Die Großschanze mit Hill Size 134 Metern gilt als technisch anspruchsvoll: Der Absprung verlangt Präzision, während die wechselnden Winde über dem Oslofjord häufig für unberechenbare Flugbedingungen sorgen. Gerade deshalb genießen Siege am „Kollen“ im Skispringen ein besonderes Prestige.
Bedeutung für den Weltcup
Der Wettbewerb in Oslo markiert die entscheidende Phase der Saison. Nach diesem Wochenende stehen nur die spektakulären Skiflug-Wettbewerbe in Vikersund und Planica, die traditionell den Saisonabschluss bilden.
Für Gregor Deschwanden ist der Sieg am Holmenkollen ein Karrierehöhepunkt – und vielleicht ein Signal, dass auch in der späten Phase einer Laufbahn noch große Momente möglich sind.
Für viele Favoriten hingegen bleibt Oslo vor allem eine Erinnerung daran, dass am legendären Holmenkollen oft nicht nur die besten Springer gewinnen – sondern jene, die mit den Launen des Windes am besten umgehen können.
Endergebnis Skispringen FIS Weltcup in Oslo am 14.3.2026
