Weltcup-Skispringen der Männer in Lahti – Raimunds Premierensieg nach dramatischer Wende
Lahti erlebte am Freitag einen dieser Momente, die den Skisprung-Weltcup so unberechenbar machen. Auf der legendären Salpausselkä-Schanze sprang der Deutsche Philipp Raimund überraschend zu seinem ersten Weltcupsieg – allerdings erst nach einer spektakulären Wendung im Anschluss an den Wettkampf.
Eigentlich hatte zunächst alles nach einem weiteren Triumph des dominierenden Slowenen Domen Prevc ausgesehen. Vor rund 20.000 Zuschauern und bei wechselnden Windbedingungen segelte der Gesamtweltcupführende im entscheidenden Versuch auf starke 129 Meter und setzte sich damit an die Spitze des Klassements. Doch nach dem Wettkampf folgte die überraschende Nachricht aus der Jury: Prevc wurde wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert. Damit rückte Raimund auf Platz eins vor und durfte erstmals im Weltcup ganz oben auf dem Podest stehen.
Nervenspiel auf der Großschanze
Der Wettbewerb, der als Ersatz für ein zuvor abgesagtes Springen in Ruka ausgetragen wurde, fand nur in einem Durchgang statt – eine zusätzliche Herausforderung für die Athleten. Jeder Fehler hätte sofort das Aus bedeuten können.
Raimund nutzte seine Chance. Der 24-jährige Bayer erwischte einen nahezu perfekten Absprung und segelte auf 127,5 Meter. Mit sauberem Telemark und starken Haltungsnoten setzte er sich zunächst an die Spitze des Feldes.
„Ich wusste, dass ich heute alles riskieren muss. Der Sprung hat sich unglaublich gut angefühlt“, sagte Raimund später strahlend im Auslauf. „Dass daraus mein erster Weltcupsieg wird, hätte ich heute Morgen niemals gedacht.“
Auch Daniel Tschofenig zeigte ein starkes Springen. Der Österreicher landete nur 0,7 Punkte hinter Raimund und sicherte sich Rang zwei. „Die Bedingungen waren knifflig. Man musste im Flug ruhig bleiben und auf den Ski vertrauen“, erklärte Tschofenig. „Mit dem Podium bin ich sehr zufrieden.“
Historischer Moment für Bulgarien
Für eine der größten Überraschungen sorgte Vladimir Zografski. Der Bulgare bestätigte seine starke Form der letzten Wochen und sprang auf Rang drei – sein erstes Podest im Weltcup.
„Das ist ein unglaublicher Tag für mich und für den bulgarischen Skisprung“, sagte Zografski mit breitem Lächeln. „Lahti war immer eine besondere Schanze für mich. Heute hat einfach alles gepasst.“
Hinter dem Spitzentrio landeten mehrere Favoriten überraschend weiter hinten. Der Japaner Ryoyu Kobayashi kam nicht über Rang sechs hinaus. Die deutschen Routiniers Karl Geiger und Andreas Wellinger hatten ebenfalls Schwierigkeiten mit den Bedingungen und blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Dramatische Entscheidung nach der Jury-Mitteilung
Als Domen Prevc zunächst als Sieger gefeiert wurde, schien der Wettbewerb entschieden. Doch wenige Minuten später herrschte plötzlich Unruhe im Stadion. Die Jury überprüfte die Ausrüstung des Slowenen – und sprach schließlich die Disqualifikation aus.
Damit wurde Raimunds Traum Wirklichkeit.
„Natürlich tut mir das für Domen leid“, sagte der neue Sieger. „Aber im Skispringen gehören solche Dinge dazu. Für mich ist das heute einfach ein unglaublicher Moment.“
Auch Tschofenig zeigte Verständnis für die ungewöhnliche Situation: „Solche Entscheidungen sind hart, aber die Regeln gelten für alle.“
Fortsetzung am Samstag
Für die Athleten bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Bereits am Samstag steht in Lahti das nächste Einzelspringen auf der Großschanze auf dem Programm, ehe das Wochenende mit einem Super-Team-Wettbewerb endet.
Der Freitag jedoch gehört Philipp Raimund. In der finnischen Wintersporthochburg gelang ihm ein Sieg, der seine Karriere verändern könnte – und der einmal mehr zeigt, dass im Skispringen bis zur letzten Juryentscheidung alles möglich ist.
Ergebnis Skispringen FIS Weltcup am Freitag 6. März 2026 in Lahti
