Geschichte

Skispringen ist eine sehr alte Sportart, die ihre Ursprünge bereits im 18. Jahrhundert hat. Bauern in der norwegischen Provinz Telemark nutzten damals kleinere Hügel auf alpinen Abfahrten für kurze Sprünge. Mit der Zeit stieg das Interesse und die Begeisterung für diese Disziplin und das Skispringen wurde zu einer eigenen Sportart.


Der Holländer Cornelius de Jong berichtete 1796 erstmals über norwegische Soldaten die schneebedeckte Holzhaufen und Scheunendächer als “Schanzen“ benutzten. Bald stellten sie fest dass der Landedruck gemindert werden kann, indem man die Landung von der Ebene in den Hang verlegt. Erst 1883 wurde dann von Torju Torjussen der, bis heute bewährte, Telemark als sicherste Möglichkeit zu landen entdeckt.

 

Laut verschiedenen Quellen zeigte Olaf Rye im Jahr 1808 den ersten gemessenen Sprung der Geschichte. Der Norweger landete damals bei 9.5 Metern. Bald schon wurden jedoch auch größere Weiten erzielt. Ein außergewöhnlicher Sprung gelang Sondre Auverson Nordheim 1860. Er kam auf 30.5 Meter, eine Weite die über 30 Jahre lang nicht überboten werden konnte.

Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Wettkämpfe im Skispringen ausgetragen. Es wurde aber noch bis ca. 1880 mit Stöcken gesprungen, die vor allem während des Anlaufs helfen sollten die Balance zu halten und durch eine stabilere Position eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen.

Am Husebyhügel in Oslo fand ab 1879 der erste größere jährliche Wettkampf statt, bevor man bereits 1892 auf den weltbekannten Holmenkollen übersiedelte. Bis heute werden dort jedes Jahr Wettkämpfe in den nordischen Disziplinen bei den berühmten Holmenkollen-Spielen durchgeführt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Skisprungsport durch norwegische Einwanderer auch in den USA verbreitet. Springer wie Sondre Nordheim versuchten damals mit dieser außergewöhnlichen Disziplin Geld zu verdienen, traten im Zirkus auf und veranstalteten Wettkämpfe. Bei diesen Bewerben wurde allein darauf geachtet möglichst große Weiten zu erzielen um das Publikum zu begeistern. Später wurde sogar im berühmten Hollywood-Bowl Stadion in Los Angeles eine Schanze errichtet auf der 1938 120 ft. (ca. 37 m) weit gesprungen wurde.

Auch in Europa wurde der Sport damals von den Norwegern geprägt und dominiert, obwohl bereits Wettkämpfe in Mitteleuropa ausgetragen wurden. So fand zum Beispiel schon 1893 ein Bewerb in Österreich statt, der aber ebenfalls von einem Norweger, der damals in Wien lebte, gewonnen wurde.

 

Es wurde zu dieser Zeit natürlich bereits versucht immer größere Schanzen zu bauen und so mussten die Springer ihren Sprungstil an die höheren Geschwindigkeiten anpassen. Es wurde versucht den Luftwiderstand zu reduzieren indem man zum Beispiel die Position der Arme veränderte und der Körper beim Sprung nicht mehr so aufrecht war.

Bereits bei den ersten Olympischen Winterspielen der Geschichte, 1924 in Chamonix (FRA), wurden im Skispringen Medaillen vergeben. Den damaligen Kräfteverhältnissen entsprechend war der erste Olympiasieger mit Jakob Tullin Thams ein Norweger. Zweiter wurde Narve Bonna (NOR), die Bronzemedaille in diesem historischen Wettkampf ging an Anders Haugen (USA). Allerdings erhielt er diese Medaille erst 50 Jahre später. Aufgrund eines Rechenfehlers wurde der dritte Platz zuerst Thorleif Haug zugesprochen. Bei einem Treffen der damaligen Teilnehmer wurde das IOC auf den Fehler aufmerksam gemacht und Haug’s Tochter überreichte die Medaille an Anders Haugen.

Das Jahr der ersten Winterspiele war auch das Gründungsjahr des Internationalen Skiverbandes (FIS) von dem ab 1929 regelmäßig Skisprungwettkämpfe veranstaltet wurden. Diese ersten Jahre des “organisierten“ Skispringens wurden von Birger Ruud dominiert. Der Mann aus Kongsberg wurde in den 1930iger Jahren zweimal Olympiasieger und gewann dreimal den Weltmeistertitel. Er entwickelte auch den sogenannten “Kongsberg-Stil“ mit starkem Hüftknick und rudernden Armen.

1936 begann der Internationale Skiverband (FIS) damit den Schanzenbau zu reglementieren und erstellte weltweit gültige Richtlinien. Es wurde damals auch verboten Schanzen zu errichten auf denen weiter als 80 Meter gesprungen werden konnte. Trotzdem wurde in Planica (SLO) die erste Skiflugschanze der Welt errichtet. Erst einige Jahre später wurden dort ausgetragene Wettkämpfe auch von der FIS anerkannt.

 

Der erste Mitteleuropäer der in die skandinavische Dominanz eindringen konnte war der Österreicher Sepp Bradl. Ihm gelang 1936 auf dieser Schanze in Planica (SLO) der erste Sprung über 100 Meter.

Bis zu diesem Zeitpunkt sprangen die Athleten mit nach vorne gestreckten oder kreisenden Armen. Erst in den 1940er Jahren empfahlen Andreas Däscher und der Schweizer Wissenschaftler Reinhard Straumann anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen die Arme am Körper anzulegen (Däscher-Stil).

1953 begann mit dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen (GER) die erste Vierschanzentournee mit weiteren Wettkämpfen in Oberstdorf (GER), Innsbruck (AUT) und Bischofshofen (AUT). Bis heute wird diese Tournee jährlich durchgeführt und genießt große Aufmerksamkeit bei Fans und Medien. Der Gesamtsieg gilt als einer der wichtigsten und prestigeträchtigsten Titel im internationalen Skispringen.

Bereits ein Jahr später wurde in Zella-Mehlis (GER) die erste Schanze mit Matten belegt. So war es dort den Springern schon Mitte der 1950er Jahre möglich auch den Sommer über zu trainieren.

Ab 1964 wurde bei Weltmeisterschaften zusätzlich zu dem Bewerb von der Normalschanze ein Springen von der Großschanze ins Programm aufgenommen. 1972 wurde dann auch die erste offizielle Weltmeisterschaft im Skifliegen in Planica ausgetragen.

 

Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Skispringens wie wir es heute kennen war die Einführung des Weltcups in der Saison 1979/80. Der erste Sieger eines Weltcupspringens war der Österreicher Toni Innauer, erster Gesamtweltcupsieger wurde sein Landsmann Hubert Neuper. Heute finden während einer Saison ungefähr 30 Weltcupspringen statt. Zusätzlich wird seit 1993 der Continental-Cup als sogenannte “2. Liga“ ausgetragen.

Die letzte große Änderung des Sprungstils wurde 1987 vom Jan Boklöv initiiert. Er formte mit den Skiern während der Flugphase ein V, erreichte so einen besseren Auftrieb und konnte größere Weiten erzielen. Der Schwede entdeckte diesen Stil zufällig bei einem eigentlichen missglückten Trainingssprung. Zu Beginn konnte Boklöv damit keinen Vorteil erzielen, da er von den Wertungsrichtern beträchtliche Abzüge erhielt. 1988/89 gewann er dann den Gesamtweltcup und nach und nach versuchten alle Springer sich auf den neuen Stil umzustellen bis er sich Anfang der 90er Jahre endgültig durchsetzte. Nur wenigen Athleten, wie zum Beispiel Jens Weissflog, Andreas Felder, Dieter Thoma, Ari-Pekka Nikkola oder Ernst Vettori gelang es sowohl im Parallel- als auch im V-Stil Springen zu gewinnen.

Seit diesem Zeitpunkt gab es keine großen Veränderungen des Sprungstils mehr. Die Schanzen müssen aber nachwievor den neuesten Anforderungen angepasst werden um das, für das austragen von Wettkämpfen notwendige, FIS-Zertifikat zu erhalten. Dies betraf in den letzten Jahren zum Beispiel die Verringerung der Flughöhe um so die Sportart sicherer und weniger windanfällig zu machen.

 

In der Saison 1990/91 wurde beschlossen eine Qualifikation einzuführen um die riesigen Starterfelder von teilweise über 100 Athleten für den Wettkampf zu verkleinern. Es waren nun nur mehr 50 Springer im ersten Durchgang am Start, was es erheblich erleichterte die Bewerbe fair und sicher durchzuführen.

58 Jahre nachdem Sepp Bradl der erste Sprung über 100 Meter gelang flog Andreas Goldberger (AUT) am 17. März 1994 in Planica als erster Springer über 200 Meter. Leider konnte er diesen Sprung nicht stehen, und so gilt der 203-Meter-Flug des Finnen Toni Nieminen am selben Tag als erster offizieller Flug über diese historische Marke.

Heute zählt das Skispringen zu den populärsten Wintersportarten. Besonders in Europa besuchen viele Fans die Veranstaltungen und auch bei Fernsehübertragungen werden hohe Zuschauerzahlen erzielt. Zurzeit wird dieser faszinierende Sport von ungefähr 20 Nationen weltweit auf Weltcup-Niveau betrieben.