Chika Yoshida: "Der Trend ist positiv"

Erstellt am: 29.11.2017 14:49 / sk Yoshida courchevel 17 kopie

Kurz vor dem Start der FIS Weltcupsaison im Damenskispringen in Lillehammer an diesem Wochenende gewährt Chika Yoshida, FIS Renndirektorin für das Skispringen der Damen, einen Einblick in die Entwicklung dieser Disziplin.

 

Berkutschi: Was wird es in dieser Weltcupsaison der Damen Neues geben?

Chika Yoshida: Zum ersten Mal wird es zum Saisonauftakt am kommenden Wochenende drei Wettkämpfe in Lillehammer (NOR) geben. Von der Premiere des „Lillehammer Triple" erwarten wir uns ein tolles Skisprungevent mit und für die Damen. Es werden zunächst am Freitag und Samstag zwei Springen von der Normalschanze durchgeführt und dann am Sonntag das Finale auf der Großschanze, dort dürfen die besten 30 der Weltcup-Gesamtwertung starten. Das wird ein echtes Highlight für die Damen. Und wir werden das Saisonfinale in Oberstdorf haben, auch das wird ein tolles Highlight. Zum ersten Mal wird es zwei Weltcup-Wochenenden in Deutschland (Finale in Oberstdorf und Hinterzarten im Dezember) geben. Das Interesse am Damenskispringen wird größer und das ist eines der vielen Zeichen an denen man diesen Umstand direkt wahrnehmen kann.

 

Berkutschi: Warum wurden diese Neuerungen eingeführt?

Yoshida: Die Neuerungen und neuen Formate entstehen aus verschiedenen Gründen. Teilweise sind es die Veranstalter die neue Vorschläge einbringen, teilweise kommen Neuerungen auch von uns oder den Teams. Immer geht es dabei darum, dass es die Sportart sportlich und medial weiterbringt. Bezüglich der drei Springen in Lillehammer - dem neuen Lillehammer Triple - gab es beispielsweise eine lange Diskussion des Skisprung-Komitees beim FIS Meeting in Portoroz. Am Ende wurde dann die Tür aufgemacht für ein neues Format und wir werden am Wochenende sehen, wie es ankommt. Ich freue mich sehr darauf.

 

Berkutschi: Wie entwickelt sich das Damenskispringen im Allgemeinen?

Yoshida: Das Niveau ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Die Anzahl der Teilnehmerinnen wird größer, das Feld rückt immer dichter zusammen. Die besten Damen kämpfen hart um die Plätze auf dem Podium. Sara Takanashi ist immer noch unsere erfolgreichste Seriensiegerin, aber es muss schon alles ganz genau passen damit sie aufs Podium kommt oder sogar gewinnt, dass war vor zwei drei Jahren noch anders.

 

Berkutschi: Wie sehen die Einschaltquoten im TV aus?

Yoshida: Das Interesse der Zuschauer und TV Stationen wächst kontinuierlich. Der Trend ist positiv aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hin möchten. Und wir sind auch noch nicht da, wo die Damen eigentlich hingehören. Es ist sehr natürlich schwer mit einer so jungen Sportart seinen medialen Platz in dem gewaltigen Angebot der etablierten Wintersportarten zu finden. Das braucht Zeit, da braucht man Geduld und Ausdauer, wie das im Sport eben so ist. Der Skisprung-Sport der Damen ist ähnlich dynamisch wie bei den Herren und die TV Bilder sind so faszinierend wie die TV Bilder bei den Herren. Aber natürlich fehlt uns die langjährige Tradition der Herren und es fehlen uns auch noch die ganz großen Superstars. Wir müssen konsequent weiterarbeiten und geduldig sein, dann werden die Skispringerinnen in absehbarer Zeit die mediale Bühne in Form von TV Quoten haben, die sie verdienen.

 

Berkutschi: Welche Schritte müssen unternommen werden, um die weitere Entwicklung zu fördern, was die Athleten betrifft und auch aus einer Marketing-Perspektive?

Yoshida: Es ist ein Kreislauf den man genau beobachten muss. Steigt das Niveau der Athletinnen dann steigt das Niveau eines Wettkampfes und auch das Interesse der Medien. Steigt die Präsenz unserer Sportart in den Medien erreichen wir mehr Menschen und interessieren auch mehr junge Leute für unseren Sport. Beginnen tut das Ganze auf der Ebene der nationalen Verbände und dort damit, dass für interessierte junge Leute Möglichkeiten geboten werden, eine Sportart einfach mal auszuprobieren. Das ist speziell beim Skispringen natürlich nicht einfach. Und später dann, dass es professionelle Trainingsmöglichkeiten gibt um Athleten/innen an die Spitze heranzuführen.

 

Berkutschi: Das Damenskispringen wird in diesem Winter zum zweiten Mal Teil des Olympischen Programms sein. Was können wir von dem Wettkampf in PyeongChang erwarten?

Yoshida:Die Olympischen Spiele in Pyeongchang sind natürlich das ganz große Highlight für uns. Wir haben alle noch diese unglaublich schönen und emotionalen Bilder aus Sochi vor Augen. Die Entscheidung im Damenskispringen war auch ein Highlight der gesamten Olympischen Spiele, wirklich phantastische Bilder. Ich habe kaum einen Olympiarückblick gesehen, in dem nicht der Sieg von Carina Vogt und ihre grenzenlose Freude und Emotion zu sehen war. Ich hoffe, dass das Damenskispringen wieder mit ähnlich faszinierenden Bildern zu einem schönen Puzzleteilchen der Olympischen Spiele werden kann.