Geschichten zur 65. Vierschanzentournee

Erstellt am: 07.01.2017 12:07 / sk Stoch flug oberstdorf 16

Was war das für eine geile Vierschanzentournee. Das Finale in Bischofshofen ist immer etwas ganz besonderes, unglaublich wie viele Geschichten und Geschichtchen sich am Rande eines Skispringens ergeben.


Randgeschichten

 

- Daniel-Andre Tande war nach seinem Finalsprung sprichwörtlich am Boden zerstört. Wenn innerhalb eines Sekundenbruchteils das Ziel, das so nah vor Augen war, in unerreichbare Ferne rückt. Tande in diesem Moment der große Verlierer. 10 Minuten lang konnte sich Tande dann direkt nach seinem Sprung unbeobachtet von den zahllosen Kameras in den Kontrollraum der FIS zurückziehen - Ruhe. Als Tande wieder heraus kam präsentierte er sich als das was er ist: ein großartiger Sportler der eine großartige Vierschanzentournee abgeliefert hat auf die der 22-jährige enorm stolz sein kann. Ein Gewinner auf Platz drei der Tournee-Gesamtwertung.

 

- Neben Kamil Stoch ist der polnische Coach Stefan Horngacher der große Gewinner dieser Vierschanzentournee. Drei Athleten in den Top-4, das ist der Hammer. Der ehemalige Co-Trainer von Werner Schuster hat das Potenzial des polnischen Teams bereits in seinem ersten Jahr als Coach abgerufen. Wie Insider wissen: mit knallharter Arbeit. Jetzt darf man auf die WM in Lahti, und dort besonders auf das Teamspringen gespannt sein.

 

- Heimlich still und leise hat sich der 17-jährige Domen Prevc das Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden zurück erobert das er in Innsbruck verloren hatte. Prevc landete beim Finale in Bischofshofen auf Platz vier und in der Tourneewertung auf Platz neun. Stark! Angesichts der enormen Erwartungshaltung zu Tourneebeginn dann allerdings relativ zu bewerten. Aber: Domen Prevc ist nach 11 Wettkämpfen des laufenden Winters der konstanteste, beste Skispringer der Saison - große Klasse!

 

- Maciej Kot wird in der Tournee-Gesamtwertung starker Vierter. Wenn allerdings zwei Teamkollegen in der Tournee-Gesamtwertung noch vor einem landen ist das für das Team großartig, das starke eigene Ergebnis droht aber etwas unterzugehen.

 

- Piotr Zyla wird Tournee-Zweiter. Der Mann den die polnischen Fans lieben weil er so unglaublich direkt, lustig, ehrlich irgendwie einfach Zyla ist, kann es im Auslauf selber kaum glauben. Wenn man ihn nach seinem großartigen Erfolg gestern beobachtet hat, kann man aber gut verstehen, warum Zyla in Polen so extrem beliebt ist.

 

- Michael Hayböck springt beim Finale, wie schon zuvor in Oberstdorf extrem stark. Hätte nicht ein Magen-Darm Virus ihn in Innsbruck ausser Gefecht gesetzt - wer weiß. Gleiches gilt für Stefan Kraft. Um die beiden ÖSV Vorzeigeflieger muss man sich keine Sorgen machen, beide werden im Lauf des folgenden Winters noch zeigen, was sie drauf haben.

 

- Und auch Markus Eisenbichler wird bei der bisher besten Tournee seines Lebens gestoppt. Auf der Paul Ausserleitner Schanze, die ihm eigentlich wie auf den Leib geschneidert ist, holt auch ihn ein Virus ein. Halbe Kraft voraus, aber halbe Kraft reicht nicht für einen Spitzenplatz bei diesem Starterfeld. Platz 13 in der Tageswertung und Platz 7 in der Tournee-Gesamtwertung. Top, und nebenbei noch Millionen Fan-Herzen gewonnen. Der Eisei, ein Ur-sympathischer Typ mit gewaltigem Potenzial.

 

- Fetti rockt das Haus. Manuel Fettner springt den Winter seines Lebens. Das muss man erst Mal hinbekommen. Seit unglaublichen 16 Jahren ist Manuel Fettner im Weltcup dabei, und seit nun vier Jahren (das ist der Zeitpunkt an dem Heinz Kuttin Trainer in Österreich wurde) steigert sich Fettner kontinuierlich. 46, 33, 24, 7 (aktuell) sind die Platzierungen von Fettner im Gesamtweltcup. Wenn das so weitergeht gewinnt Fettner im kommenden Winter den Gesamtweltcup.

 

- Jurij Tepes wird in Bischofshofen starker siebenter. Der 7. Platz bedeutet für Tepes sein bestes Saisonergebnis. Dass für Tepes allerdings noch mehr möglich gewesen wäre, weil der Slowene eine Halbzeitführung nach dem ersten Durchgang verspielte ging im überschwänglichen Jubel um Tournee-Gesamtsieger Kamil Stoch und das polnische Team komplett unter. Tepes wird es verschmerzen können.

 

Jemanden vergessen? Ja, ganz sicher. Stephan Leyhe und Andreas Stjernen zum Beispiel, beide Top gesprungen. Diese Tournee war geprägt von starken Typen und starken Leistungen die angesichts der Top Leistungen von Tande, Stoch und Kraft etwas im Schatten geblieben sind, aber keineswegs unterbewertet werden dürfen. So ist das im Sport.

 

Und jetzt?

...kommen - man hätte es nicht besser planen können - die beiden Weltcup-Wochenenden in Wisla und Zakopane (beides Polen). Ist die Stimmung dort unter normalen Verhältnissen schon, sagen wir "aussergewöhnlich gut", so dürften die Fans und Athleten in diesem Jahr zwei Hexenkessel der ganz besonderen Art erwarten.